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Politisches Quartett

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Godesberger Gespräche

Kirche St. Marien und Schauspielhaus Bad Godesberg

Jahresthema 2022: Heimat und Aufbruch

Zu vielfältigen, unter den Nägeln brennenden gesellschaftlichen Themen wollen die katholische Kirche und das Theater in Bad Godesberg miteinander und mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen sowie Perspektiven für unsere Stadtgesellschaft entwickeln.

Die „Godesberger Gespräche“ stehen 2022 unter dem Fokus „Heimat und Aufbruch“. Zu ganz unterschiedlichen Aspekten des Themas werden interessante Gäste aus Bad Godesberg und der Region eingeladen, die mit einem kurzen Impulsreferat ins Thema einführen, das im Anschluss mit je einem Vertreter oder einer Vertreterin aus Schauspielhaus und Kirche diskutiert wird. Moderiert wird die Runde von Dr. Ebba-Hagenberg Miliu, die vielen Godesbergern von ihren Artikeln zu vielfältigen kulturellen Themen im Bonner General-Anzeiger sowie von den Herzenssprechstunden in den verschiedenen Vierteln von Bad Godesberg bekannt ist.

Nach dem Gespräch auf dem Podium wird auch das Publikum in die Diskussion einbezogen. Im Anschluss ist zudem Gelegenheit zum persönlichen Austausch.


Auftaktveranstaltung am 5. April 2022

Brauchen wir Heimat noch in Zeiten von Mobilität und digitaler Transformation?

Was verlieren Menschen, wenn sie ihre Heimat unfreiwillig aufgeben und – wie gerade in ungeheurem Ausmaß – in die Nachbarländer der Ukraine aufbrechen müssen?

Bei der Auftaktveranstaltung ging es um unser vielfältiges Verständnis von Heimat, um Identitätssuche, um vermisste und ersehnte Räume, um Reales und Virtuelles. Passt Heimat noch in unsere mobilisierte und digitalisierte Welt, die durch ständige Neuerungen und Aufbrüche geprägt ist? Gehört der Begriff nicht ins Repertoire rückwärtsgewandter oder auch rechter Gruppen und sollte besser aufgegeben werden? Was lässt Menschen für ihre Heimat einstehen und kämpfen?

In diese und andere grundlegende Fragen hat Dr. Frank Vogelsang eingeführt. Er ist Direktor der Evangelischen Akademie im Rheinland, die nach vielen Jahren in Bad Godesberg (auf dem Heiderhof) ihren Sitz nach Bonn-Beuel verlegt hat. Er arbeitet schwerpunktmäßig zum Dialog zwischen Theologie, Philosophie und Wissenschaft und ist Autor u.a. des Buches „Soziale Verbundenheit. Das Ringen um Gemeinschaft und Solidarität in der Spätmoderne“.

Frank Vogelsang charakterisierte Heimat als für den Menschen existenzielle soziale Verbundenheit. Ohne sie seien Menschen nicht überlebens- und entwicklungsfähig; sie sei unverzichtbar, was sich aktuell nicht zuletzt in den hybriden Netzwerken zeige, die den Erhalt von Verbundenheit erleichtern, wenn ein Ortswechsel unsere Bindungen bedroht.

Aufbruch sei allerdings auch immer Teil der Menschheitsgeschichte gewesen. Schon die Bibel gebe Zeugnis davon ab, erzähle vom Verlust von Heimat – und auch von ihrer Verheißung. Heimat sei nie ohne Aufbruch zu haben, und Aufbruch sei nur möglich, wenn man auch ein Herkommen, eine Heimat habe. Insbesondere der moderne Mensch – Individualisierung sei ohne Zweifel eine große kulturelle und politische Errungenschaft unserer Kultur – löse sich willentlich aus Bindungen, die sein Streben nach Individualität und Selbstverwirklichung hemmen. Denn Heimat sei nicht nur ein Sehnsuchtsort, sondern auch der Ort von Konflikten, die einem (allzu) nah gehen können.

Wenn sich der Begriff „Heimat“ allein auf das Herkommen und die Verhältnisse beziehe, die wir vorfänden oder die in der Vergangenheit einmal bestanden, sei er notwendigerweise konservativ angelegt und neige zu Kitsch, Normsetzung oder zur imperialistischen Einforderung von Gebieten, wie aktuell im Krieg des russischen Regimes.

Mit Ernst Bloch definierte dagegen Vogelsang: Heimat sei nicht ein Zustand, sondern immer auch eine Erwartung. Er plädiert für das Offenhalten der Spannung von Heimat von Aufbruch und dafür, dass wir Weisen der Verbundenheit zwar vorfänden, sie aber auch erneuern können; Heimat und Aufbruch ergänzten einander.

Gesprächspartner auf dem Podium waren Schauspieldirektor Jens Groß und der leitende Pfarrer unseres Seelsorgebereichs, Pater Dr. Gianluca Carlin. Sie sprachen von ihren Erfahrungen von Heimat an den Orten ihrer Kindheit (München bzw. Triest) und verhielten sich zu ihrer neuen Heimat am Rhein. Für Jens Groß ist das Theater eine Heimat; auf seinen Brettern fänden die menschheitlichen Auseinandersetzungen statt. Pater Gianluca erinnerte an tiefe Erfahrungen aus der Kindheit, für die Sicherheit und Gerechtigkeit elementar seien.

Links

Link zum Bericht im General-Anzeiger vom 6. April 2022 auf ga.de ...

Link zu zum Blog „X – Chiasmus“ von Dr. Frank Vogelsang auf frank-vogelsang.de ...

Link zu ev-akademie-rheinland.ekir.de, Jahresthema der Ev. Akademie im Rheinland „Zukunft denken“ ...

Link zu www.hdg.de, Ausstellung „Heimat. Eine Suche“ – bis zum 25. September 2022 im Haus der Geschichte ...

Link zum Podcast „Auf Heimatsuche“ im DLF Radio auf www.deutschlandfunk.de ...

 

Bild: © privat

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Astrid Weber

Astrid Weber
Bildungsreferentin
E-Mail: Astrid Weber

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